Der Weg da raus…

Kennt ihr auch diese nervigen Sprüche und Ratschläge, dass in allem was einem so an Schlechtigkeiten passiert auch was Gutes steckt? „Sieh doch mal das Positive daran!!“

WAS ist bitte positiv an Scheidung, Privatinsolvenz, verlassen werden und Einsamkeit???

Aber okay, manchmal stellen sich die positiven Folgen vielleicht ja auch erst sehr viel später ein. Vielleicht werde ich in 10 Jahren froh darüber sein, dass ich jetzt so eine negative und tieftraurige Phase habe. So wie ich irgendwie froh sein kann, dass ich vor 9 Jahren Opfer eines Raubüberfalls war. Nur durch diesen Raubüberfall habe ich damals zur Traumaverarbeitung meine Therapeutin kennen gelernt und nur weil ich sie und das Prinzip „Therapie“ bereits kannte, habe ich dann im Jahr 2012 nach meinen Zusammenbruch Hilfe gesucht. Wer weiß ob es mich sonst überhaupt noch gäbe!
Man muss dazu wissen, dass es mittlerweile quasi unmöglich ist einen Therapieplatz bei einem Therapeuten oder einem Psychiater zu bekommen, da diese einfach über Monate ausgebucht sind. Bei meiner Therapeutin bin ich nur so schnell wieder rein gekommen, weil sie mich schon kannte und nach dem ersten kurzen Gespräch sofort wusste wie schlecht es um mich steht.

Mein Glück ist außerdem mein Hausarzt, der mich seit über einem Jahrzehnt kennt und der immer weiß wie es mir wirklich geht, selbst wenn ich versuche es ihm zu verheimlichen. Er hatte mir schon nach meiner Scheidung geraten eine Therapie zu machen und eine Reha zu beantragen, weil er genau gesehen hat wie schlecht es mir ging. Aber ich hab gesagt ich brauch das nicht. „Ich bin zwar grad nicht wirklich ausgeglichen und glücklich, aber es gibt einen Mann der mich glücklich macht, der ein wirklich guter Freund ist, mir zuhört, einfach mit mir redet und für mich da ist. Er, seine (nun auch teilweise meine) Freunde und seine Stadt tun mir gut und sind meine Kur bzw. Therapie!“ Tja, ARSCHKARTE und so viel dazu!

Außerdem ist da noch Sarah. Sie gehört eigentlich zum engsten Freundeskreis meines Exfreundes, aber zu meinem großen Glück will sie auch nach wie vor mit mir befreundet sein. Sie redet viel mit mir, versucht meine wirren und bekloppten Gedanken zu verstehen, gibt mir „Hausaufgaben“, die ich zu einem bestimmten Termin erledigt haben muss. So hab ich von ihr den Auftrag bekommen ihr einen Schal zu stricken und ihr jetzt alle 2 Wochen Cookies zu schicken.  Sarah hält mich am Leben, ist emotional meine größte Stütze und ich bin unendlich dankbar, dass es sie gibt, dass es sie für mich gibt. Manchmal tritt sie mich auch verbal in den Arsch, aber auch das ist richtig und unheimlich  wichtig. Sie äußert auch mal offen Kritik und das tun die meisten Menschen nicht, dabei wäre es so wichtig. Ehrlichkeit und Kritik kann einfach helfen sich selbst besser zu verstehen, aber wahrscheinlich befürchten die meisten, dass ich mich sofort vor einen Zug werfe wenn man mich kritisiert. Stimmt aber nicht! Deshalb bin ich zB Sarah auch unendlich dankbar, dass sie der erste Mensch in meinem Leben ist, der mir mal gesagt hat was sie eigentlich tatsächlich an mir schätzt und gut findet. Nicht einfach nur „Du bist so süß oder so lieb!“, sondern dass man mit mir auch tiefsinnigere Gespräche führen kann, nicht nur an der Oberfläche kratzt. Ich habe noch nie in 31 Jahren ein so nettes, detailliertes Kompliment bekommen. Ich habe mich noch nie so wahrgenommen gefühlt. Und genauso gilt das auch für Kritik. Kritik ist genauso wichtig, wie ein ehrliches (nicht oberflächliches) Kompliment.

Und dann natürlich meine Therapeutin. Wie gestern schon geschrieben, habe ich so ziemlich direkt nach dem Supergau Trennung Nierensteine bekommen und musste ins Krankenhaus. Nach dem Aufenthalt dort musste ich natürlich zu meinem Hausarzt und der hat sofort gesehen was mit mir los war. Erste Maßnahme war eine 2 wöchige Krankschreibung, zweite Maßnahme war es gemeinsam meine ehemalige Therapeutin anzurufen. Anfangs hatte sie keinen Platz für mich, hat mich aber immer angerufen sobald ein Patient abgesagt hatte und mir dann den Termin gegeben. Mittlerweile habe ich einen festen Platz und eigentlich treffen wir uns alle 2 Wochen Donnerstags. Da ich aber zwischendurch sehr schlechte Phasen hatte, haben wir uns wann immer es möglich war wöchentlich getroffen. Diese Treffen stellten für mich die einzige Möglichkeit da in der Woche darüber zu reden wie es mir geht. Eigentlich haben wir mit der Therapie noch nicht so wirklich angefangen, sondern bis jetzt hat sie mir immer aus meinen emotionalen Notlagen herausgeholfen. Die eigentliche Therapie (Verhaltenstherapie) muss erst noch beginnen.

Wir haben es zwischendurch auch mit Medikamenten versucht. Citalopram sollte ich nehmen, ein Antidepressivum aus der Gruppe der  Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Es sollte aktivierend wirken, die Traurigkeit beseitigen und meine Motivation steigern. Leider waren die Nebenwirkungen so gruselig (Angstzustände, Panikattacken, Sehstörungen, innere Unruhe), dass wir das kleine Experiment schnell wieder abgebrochen haben.

Offensichtlich reagiere ich grundsätzlich auf Medikamente die über das Gehirn wirken extrem sensibel. Selbst Mittel gegen Übelkeit, die ja auch nichts anderes sind als Psychopharmaka (sie „reden“ dem Gehirn ein ihm wäre nicht übel) lösen bei mir die gruseligsten Nebenwirkungen aus. Nach der Einnahme eines solchen Mittels wollte ich vor Jahren doch tatsächlich mal aus dem Fenster springen, weil es die furchtbarsten Halluzinationen ausgelöst hatte. Seither nehm ich nichts mehr gegen Übelkeit, egal wie schlimm es ist. Aber was die medikamentöse Behandlung von Depressionen angeht, stellt ein Hirn wie meines einen dann schon vor eine schier unlösbare Aufgabe.

Daher gibt es im Moment „nur“ Gesprächstherapie und wir stellen jetzt einen Antrag auf eine Reha. Ein Aufenthalt dort soll mir helfen so etwas wie eine Tagesstruktur zu entwickeln, denn mein Tagesablauf heißt aufstehen, ins Büro fahren, nach Hause fahren, aufs Sofa legen und warten. So sieht leider auch meine Wohnung aus, aber für wen aufräumen? Für mich? Nee! Und Besuch bekomme ich nicht, von wem denn auch! Ich hab mich gegen den Gedanken Reha lange gewehrt, denn spätestens dann weiß mein Arbeitgeber, dass ich krank bin und das wollte ich eigentlich vermeiden und ich habe Angst, dass mir diese Reha auch gar nichts bringt, sondern ich anschließend nur wieder umso mehr abstürze.

Aber nach einem Jahr Einsamkeit und der Erkenntnis, dass ich wohl auch die nächsten Jahre zwangsläufig in dieser Stadt und dieser Wohnung verbringen muss, bin ich durch meine Therapiegespräche zu der Erkenntnis gekommen das ich wohl doch irgendwas ändern muss. Einfach um auch irgendwann fähig zu sein meinen Traum, diese verhasste Stadt zu verlassen, erfüllen zu können. Denn dann müsste ich mir einen neuen Job suchen und genug Energie aufbringen einen Ortswechsel auch tatsächlich umzusetzen. Im jetzigen Zustand würde ich das nicht schaffen. Aber ich will es! Ich will irgendwann mal zufrieden sein dürfen. Ich muss nicht glücklich sein, aber zufrieden und vielleicht, ganz irgendwann mal auch nicht mehr allein. Also werd ich es versuchen und vielleicht, ganz vielleicht hilft es.

Selbsterkenntnis, sich  eingestehen das man krank ist und nicht „bekloppt“ oder übersensibel, ist der erste Schritt eventuell wieder gesund zu werden. Garantien gibt es keine, aber es hilft auch offen damit umzugehen. Ich mache grundsätzlich keinen Hehl mehr daraus (außer halt gegenüber meinem Arbeitgeber), sondern sage das ich depressiv bin. Wenn ich eine gewisse Offenheit erkenne, dann erkläre ich mich auch, aber eher selten. Wer Fragen hat soll fragen, dann antworte ich auch ganz bestimmt. Und ansonsten hilft mir ein Funken Resthoffnung, dass doch auch ich eventuell etwas Glück verdient haben könnte.

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Grundwissen über mich und DAS hier

Warum DieAufmSofa?
Wenn ich nicht bei der Arbeit bin, verbringe ich 90% meines Lebens auf meinem Sofa. Derzeit wohl sogar 99%. „Hast du nichts Besseres zu tun?“ Oh es gäbe bestimmt viele andere Dinge die ich tun könnte, aber krankheits-/depressionsbedingt kriege ich das derzeit einfach nicht hin. Mir mangelt es derzeit an jeglicher Motivation mein Sofa zu verlassen. Wofür auch? Warum?

Depression oder Macke?
Meine Therapeutin und mein Hausarzt sind sich ziemlich einig und sagen, dass ich derzeit an einer mittelschweren Form der Depression leide. Wirklich ausgeprägt ist diese erst seit dem letzten Jahr, was ich als mein schlimmstes Jahr in 31 Lebensjahren bezeichnen würde. Depressive Tendenzen hatte ich jedoch auch schon vorher, aber ich habe sie nie so wirklich wahrgenommen und es war eben noch nie so schlimm und ich dachte immer ich krieg das allein hin, ich hab halt ne Macke.  Wenn du dann jedoch das erste Mal davon träumst, wie schön es wäre tot zu sein, aufwachst und das schöne Gefühl ist immer noch da, dann sollte man sich wohl Gedanken machen, ob man wirklich nur ne Macke hat und nur etwas traurig ist oder ob die „Todessehnsucht“ nicht vielleicht doch irgendwie krank ist. Ich hab mich dafür entschieden, dass es nicht gut ist und mir Hilfe geholt. Hilfe in Form einer Therapeutin, wir versuchen auf medikamentöser Ebene was zu tun und wenn sich die Krankenkasse nicht weigert verfrachten wir mich vielleicht auch zu einer Reha ins Krankenhaus.
Mehr darüber an anderer Stelle, ich hab ja Zeit. 😉

Sozial Inkompetent heißt was?
Ich mach es mal erst einmal ganz einfach: http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Kompetenz , nachlesen. 😉
Aus beruflicher Sicht bin ich sozial ziemlich kompetent, sagen zumindest Kollegen, Chefs und Arbeitszeugnisse. Ich scheitere in erster Linie am Umgang mit mir selbst (Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Wertschätzung), was auch eine große Rolle (wenn nicht die Rolle) bei meiner Depression spielt. Weil ich mich selbst nicht leiden kann, hinterfrage ich ständig ob andere mich tatsächlich leiden können, ob überhaupt irgendwas brauchbar oder liebenswert an mir ist. Folglich ist der Umgang mit anderen (auf privater Ebene) ein weiteres Problemfeld. Aber auch das werde ich an anderer Stelle mal ausführlicher beschreiben, denn das würde den Bereich Grundwissen doch erheblich sprengen. Kernaussage:  Ich habe kein Selbstvertrauen, sehe mich nicht als liebens-/lebenswert an, was man eben nicht nur daran merkt wie ich mit mir umgehe, sondern auch wie ich mit meinen Mitmenschen umgehe bzw. mich ihnen gegenüber verhalte.

Warum Blog und nicht Tagebuch?
Tja, die Motivation! AufmSofa hab ich kein Papier oder nen Stift, aber ein Laptop, was 24h am Tag läuft und ich bin einfach zu faul mir die anderen Utensilien zu beschaffen. Es geht mir nicht darum eine riesen Zahl an Lesern zu gewinnen, ehrlich gesagt ist es mir so scheißegal. Ich führe im realen Leben zumeist Selbstgespräche und ich sehe das Ding hier mal ähnlich. Ich hoffe es hilft mir tatsächlich meinen Kopf mal auszuschalten und wenn das hier irgendwer liest und hat was beizutragen, dann los! Vielleicht bringt das was ich schreibe auch anderen irgendwas oder jemand hat Tipps für mich oder ist einfach in Plauderlaune. Ich nehme was ich kriegen kann und ihr könnt auch über andere Sachen mit mir Plauschen als die von mir eingetippten! Ehrlich, ich glaube ich könnte ein geselliger Mensch sein. Online bin ich es, aber da guckt mich ja auch niemand an! 😀

So, das reicht erst mal. Sofern ich dabei bleibe erfahrt ihr noch mehr über mich und das Geschreibsel da oben. Und weil ich nen hübschen Abschluss haben will, bekommt ihr Musik auf die Ohren und Augen, passend zu nem Satz am Anfang! 😀